Vorbereitung
Im Dezember 2002 erhielt ich von Herrn Stamm (Inhaber der Autolackiererei Selmcolor), uns verbindet eine langjährige und sehr gute Zusammenarbeit, ein Bild als Vorlage zur Gestaltung eines Motorradtankes. Wenige Worte waren notwendig, diesen Auftrag umzusetzen. Situationsbedingt schien der Auftrag nicht allzu eilig. Das änderte sich jedoch mit einem Anruf. Denn die Gruppe Molly Hatchet war in Deutschland und so sollten einige Termine zusammengelegt werden. Molly Hatchet wurde nach Dortmund eingeladen um dieses Motorrad von einem Fan der Gruppe Molly Hatchet in Auftrag gegeben Motorrads zu enthüllen. Es musste jetzt alles sehr schnell gehen. (Weiterer Link von Molly Hatchet)
Die Autolackiererei Selmcolor übernahm zuerst die Aufgabe den Tank und weitere Teile entsprechend vorzubereiten und zu lackieren. So wurden Tank, Schutzbleche usw. in einem Farbton lackiert, der dem Originalfarbton einer älteren Bauart entspricht. Meine Aufgabe war es nun, einen Teil der Illustration der LP "Flirtin´with Disaster" auf den Tank der Harley als Malerei aufzubringen.
So begann ich mit der Erstellung des „Drehbuches“, wie ich es nenne.
Vor Beginn dieser Arbeit ist es nicht nur notwendig zu wissen welche Farben zum Einsatz kommen sollen, sondern der ganze Arbeitsablauf sowie die zu gebrauchenden Materialien sollten vorher festgelegt werden um einen reibungslosen Ablauf und ein sehr gutes Ergebnis zu garantieren.
In diesem Drehbuch wird festgelegt:
Technik
Mischtechnik: In dieser Technik werden viele Möglichkeiten genutzt. Es kommt die Airbrushpistole, Pinsel als auch Buntstifte zum Einsatz.
Reihenfolge und Ausführung der Arbeitsschritte
Anschleifen des Lackes
Eine ausreichende Haftung der Farbe wird durch ein anschleifen des Lackes erreicht. Es kann mit einem Schleifpad oder mit sehr feinem Schleifpapier (1200) erreicht werden. Der Vorteil des Schleifpapiers ist es, die Oberfläche des Lackes insgesamt noch einmal zu glätten. Es entsteht eine Lackoberfläche, die keine Unebenheiten mehr aufweist, jedoch griffig genug ist um eine gute Haftung zu gewährleisten.
Anlegen der zu bemalenden Fläche
Zum Anlegen der weißen Flächen hat sich der Haftprimer Capacryl von Caparol bewährt, da er sehr fein pigmentiert aber hoch deckend ist und sofort eine sehr glatte Oberfläche bietet. Es ist die Haftbrücke zwischen dem Lack und der später verwendeten Wasserfarbe von Schminke. Dieser Primer lässt sich gut mit dem Pinsel sowie mit der Spritzpistole verarbeiten.
Bildübertragung
Die Übertragung soll in diesem Fall durch eine Kopie des Originals erfolgen die noch genauer beschrieben wird.
Bemalung
Die Bemalung wird, einmal mit dem Bleistift übernommen, ab jetzt Freihand unter Einsatz einer Airbrushpistole ausgeführt. Mit zunehmender Schärfe kommen Buntstifte und Pinsel zum Einsatz. Die Glanzlichter werden sparsam mit Weiß eingesetzt.
Farben:
Die wasserfesten Grundfarben von Schminke Aero Color Gelb, Magenta, Blau zusätzlich Weiß und Schwarz werden je nach Bedarf gemischt und eingesetzt. Deckweiß wird für die Glanzlichter gebraucht.
Zubehör:
Abklebeband, Schablonenfolie, Papier zur Erstellung von losen Schablonen, Airbrushreiniger, Buntstifte, Bleistifte, Pinsel, Schwämme, Radierstift, Knetradiergummi
Werkzeug:
Kompressor, Airbrushpistole, Schneidemesser, Schere,
Computer, Scanner, Drucker
Lackierung der Bauteile
Ist die Malerei kurz vor der Fertigstellung, wird d
as komplette Bauteil (Tank) mit Reinigungsbenzin gereinigt um entstandene Fingerabdrücke zu entfernen. Eine Zwischenlackierung wird nun für den Schutz der Malerei sorgen, zusätzlich wird noch mehr Tiefe erreicht aber hauptsächlich kann jetzt die Wirkung der Malerei unter Klarlack eingeschätzt werden. Nach dem Anschleifen des Klarlackes wird die Malerei vollendet. Zwei weitere Schichten Klarlack werden aufgebracht und schließen die Arbeiten ab.
Vorbereitung
Mit einem Scanner wird das Original eingescannt und kann dann schnell mit einem Grafikprogramm (z.B. Photo Paint) auf die gewünschte Größe gebracht und ausgedruckt werden.
Dieser Ausdruck wird nun von hinten mit einem weichen Bleistift eingeschwärzt.
Es werden alle weiteren Materialien griffbereit zurecht gelegt..
(Airbrushfarben, Airbrushpistole, Folie, Reiniger, Haftvermittler, Buntstifte, Radiergummi, Handschuhe, Papier usw.
Die Art der Malerei fällt unter dem Begriff „Custompainting“ da der Untergrund (in diesem Fall grün) erst an der Stelle der Malerei einen weißen Untergrund erhalten muss.
Übertragung der Malerei
Auf der einmal weiß angelegten Fläche ist es einfach das Motiv zu übertragen. Die ausgedruckte Version der Malerei wird nun von hinten mit einem weichen Bleistift (6B) eingeschwärzt. Das Motiv wird entsprechend postiert und mit Abklebeband befestigt. Mit einem harten Bleistift (H4) können jetzt die Konturen auf die weiße Fläche des Tankes übertragen werden. Tipp: Diese Arbeit sollte so präzise wie möglich geschehen. Nun ist es an der Zeit die dunklen Stellen der Malerei mit der Farbe Grau transparent auszuarbeiten. Gerade jetzt ist es wichtig, die Tiefe anzulegen. Mehrmaliges übersprühen lässt die Figur entstehen. Gerade in diesem Stadium der Arbeit ist es wichtig, immer wieder von unscharf nach scharf zu arbeiten.
Die unregelmäßigen Stellen im äußeren Bereich der weißen Fläche sind perspektivisch notwendig um einen besonderen Effekt zum späteren Zeitpunkt der Arbeit zu erreichen.Der Radierstift und vorsichtiger Einsatz von Farbe sorgen schon früh für Schärfe innerhalb der Malerei. Gerade mit d
em Radierstift werden Details bearbeitet um so den weißen Untergrund so lange wie möglich zu erhalten.
Schicht für Schicht entsteht Tiefe durch den Einsatz der hochtransparenten Farbe grau. Jetzt als Figur schon gut zu erkennen, wird sie weiter vorsichtig mit Hautfarbtönen besprüht. Schon jetzt werden Muskeln und weitere Details mit dem Radierstift ausradiert und immer wieder mit Hautfarbe unter Einsatz der Spritzpistole überarbeitet.
Gerade in diesem Motiv spielt der Hintergrund und seine Umgebungsfarbe eine große Rolle. Aus diesem Grund ist es wichtig ihn frühzeitig anzulegen um die Figur später nicht aufgesetzt wirken zulassen. Weitere Flächen, welche die Tiefe der Malerei bestimmen werden mit der Airbrushpistole angelegt und lassen die Figur immer mehr nach vorne kommen.
Die Hintergrundfarbe wird einmal komplett über das Motiv gesprüht. Mit diesem Arbeitsschritt wird die Integration des Kämpfers zum Hintergrund erreicht. Nun ist es an der Zeit Detail für Detail schärfer werden zu lassen. Zur Ausarbeitung des goldenen Helmes und der Armmanschette setze ich
immer wieder den Radierstift ein. Der Gürtel, die Federn und vor allen Dingen der Umhang mit seinem knopfartigen Muster arbeite ich mit Buntstiften aus. Der Radierstift ist während dieses Stadiums der Arbeit für mich immer wieder ein wichtiges Werkzeug die Untergrundfarbe (weiß) zu erhalten. Während der Radiervorgänge entstehen Strukturen, die nicht nur Plastizität, sondern auch Materialoberflächen erzeugen.
Gerade der Hautfarbton ist in jeder Illustration immer wieder eine Herausforderung. Die Vorbereitung und der Einsatz von mehreren Hautfarbtönen wird notwendig um ein entsprechendes Ergebnis zu erreichen. Diese Farbtöne habe ich auch im unteren Bereich des Umhangs im Hintergrund mit der Airbrushpistole eingesetzt um den Farbton gelb nicht so hart wirken zu lassen. Nun, da die Illustration fast abgeschlossen ist, gilt es die Glanzlichter zu setzen und den Hintergrund fertig zustellen. Doch bevor ich diese Arbeiten durchführen werde, wird der Tank komplett lackiert. Dieser Schritt hat sich in sofern bewährt, da gerade die Glanzlichter nicht übertrieben wirken dürfen.
Jetzt ist es an der Zeit die Glanzlichter zu setzen. Ein Rotmarder-Haarpinsel der Größe 5/0 und die Farbe weiß kommen nun zum Einsatz. Auf dem Helm, dem Gürtel, der Manschette, die Kanten der Knöpfe des Umhanges auf dem Oberschenkel und dem Beil werden die zum Licht stehenden Kanten mit weiß bearbeitet. Um den geforderten Glanz mit der Farbe weiß zureichen, nehme das Weiß von Schminke undverdünne damit Deckweiß um eine hohe Deckkraft zu erreichen. Der Hintergrund wird Freihand mit der Pistole bei gearbeitet und rundet die Arbeit ab.
Es ist geschafft, die Illustration ist fertig.








Auf der Tournee durch Deutschland machte Molly Hatchet gerne einen Abstecher nach Dortmund. Sie kamen zur Enthüllung einer gerade fertig gestellten Fat Boy mit dem Motiv Ihrer LP “Flirtin´ with Desaster” und gaben auch noch so ganz nebenbei ein kleines Privatkonzert.
Der Gastgeber Michael Stein “Manic Mechanik” reichte ein kleines Imbiss. Die Gäste lauscheten derweil die nicht gerade sanften Töne der Molly Hatchet´s und vergnügten sich sichtlich.
Michael Stein, der Hersteller der Maschine fand: Es war einfach die Gunst der Stunde, dass zu dem Zeitpunkt, an dem wir das Bike bauten, alles zusammen kam.
Der Eigentümer, hier ganz links im Bild , ist in diesem Moment schon sehr gespannt und nervös, wie er mir später mitteilte. Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse hatte das fertige Motorrad auch noch nicht gesehen.
Endlich war es so weit, die Maschine wurde sofort entsprechend getestet und ein Blitzlichtgewitter brach aus. Denn viele Redakteure waren natürlich bei so einem Ereignis zugegen und dokumentierten den Moment für ihre Zeitungen.
Die Harley Davidson wurde von allen Seiten bestaunt und genau unter die Lupe genommen.
Immer wieder wurden Foto´s mit den Stars aus Amerika geschossen.
Es kommt nicht jeden Tag vor, an so einem Bike mitarbeiten zu dürfen.


Es sind weitere Motive in Arbeit und ver- fügbar. Sie erscheinen zeitnah auf einer Extraseite. Individuelle Urnengestaltung ist natürlich jederzeit möglich.